Die Studentinnen wünschen sich weibliche Verstärkung - Frauenanteil bei den Feuerwehren im Kreis liegt bei 4,3 Prozent
Als Kind hat Carola Fingerle einen Brand in ihrem Elternhaus miterlebt. „Es gab einen Kurzschluss in der Waschmaschine“, erinnert sich die heute 20-Jährige. Seit damals habe sie Angst vor Feuer gehabt. Um diese zu überwinden, ging sie mit 13 Jahren zur Jugendfeuerwehr. Seit ihrem 18. Lebensjahr verstärkt sie dort die aktive Mannschaft. „So habe ich meine Angst bewältigt.“ Obwohl sie mit Cosima Bauer (21) die einzige Frau bei der Köngener Wehr ist, spricht sie von einem „guten Teamgeist“. Anfangs hätten sich manche der älteren Kollegen schwer getan, sie als erste Frau in den aktiven Dienst aufzunehmen. Schon nach wenigen Wochen habe sie sich aber voll integriert gefühlt, erinnert sich die Studentin der Soziologie und Volkswirtschaft, die für die CDU im Gemeinderat sitzt.Für Technik hat sich Cosima Bauer, die an der Hochschule in Nürtingen Agrarwissenschaften studiert, immer interessiert. Deshalb ging sie mit 18 Jahren zur aktiven Feuerwehr. Nach der Grundausbildung, dem Funker- und dem Atemschutzlehrgang war sie bei etlichen Bränden dabei. „Man muss körperlich wirklich fit sein.“ Trotz des vollen Studienplans nimmt sie sich Zeit für Fitness und Ausdauersport.

Mit Fahrzeugen und technischen Neuerungen machen sich Carola Fingerle (links) und
Cosima Bauer bei den regelmäßigen Übungseinheiten der Köngener Feuerwehr vertraut.
Foto: Rudel
Kraft und Ausdauer sind wichtig
Das ist auch Carola Fingerle wichtig. „Wenn man in einem brennenden Haus ist, muss man beweglich sein und die Kraft haben, sich notfalls den Weg zu bahnen.“ Das Vorurteil, dass Frauen die körperliche Belastung bei der Feuerwehr nicht schaffen könnten, weisen die jungen Frauen zurück. Wenn man die Tauglichkeitsuntersuchung bei einem Arzt geschafft habe, komme es auf die eigene Disziplin an. „Wir trainieren regelmäßig, wie die Männer auch.“
Nachdem sie ihren Atemschutzlehrgang absolviert hatten, wurden die beiden jungen Frauen bei der Feuerwehr überall eingesetzt. Alle 14 Tage machen sie sich mit ihren rund 50 aktiven Kollegen in Köngen in Theorie und Praxis fit. Einmal pro Jahr steht ein Atemschutzlehrgang auf dem Programm. Da werden die Feuerwehrleute auf der Atemschutzstrecke oder im Brandcontainer mit verschiedenen Situationen konfrontiert. Dazu gehören ein Gasleitungsbrand oder ein brennendes Auto ebenso wie kochendes Fett oder ein Großfeuer wegen eines technischen Defekts. Es dauere einige Zeit, bis man mit den Abläufen eines Löschangriffs vertraut sei, sagt Fingerle. Da müssten die Kommandostrukturen sitzen. Im Ernstfall müsse jeder wissen, was er oder sie zu tun hat.
Die beiden Feuerwehrfrauen wünschen sich, dass sie bald auch in Köngen nicht mehr alleine sind. „Es gibt keinen Grund, weshalb Frauen nicht bei der Feuerwehr arbeiten sollten“, sagt Cosima Bauer. Durch die hervorragende Ausbildung, die sie bei der Feuerwehr bekommen habe, sei ihr auch der Umgang mit den technischen Geräten leicht gefallen. Sie und ihre Kollegin möchten anderen Frauen Mut machen, sich bei der Feuerwehr zu engagieren. „Ich verstehe nicht, weshalb das immer noch eine Männerdomäne ist“, sagt Carola Fingerle.
Hilfe von Seelsorgern
Dass man bei der Feuerwehr immer wieder mit schweren Situationen konfrontiert werde, gehört für die beiden dazu. Da erinnern sie an einen Großbrand, bei dem es zwei Tote gab. „Man muss damit fertig werden“, sagt Fingerle. Notfallseelsorger und die erfahrenen Kollegen stünden den Aktiven zur Seite. Jeder bekomme die Hilfe, die er nach einem solchen Einsatz braucht.
Mit den Feuerwehrkollegen, die in Köngen zwischen 18 und 65 Jahre alt sind, unternehmen die beiden Frauen in der Freizeit viel. Zurzeit trifft sich ein harter Kern, um die WM-Spiele der deutschen Nationalmannschaft anzuschauen. „Gemeinsam zittern ist schöner“, finden die zwei. Mit Ausflügen, Partys und privaten Treffen werde der Teamgeist gestärkt. Fingerle: „Im Einsatz hilft es, wenn wir harmonieren.“
Frauen bei der Feuerwehr
Im Kreis Esslingen tun 3556 aktive Feuerwehrleute Dienst, 154 von ihnen sind Frauen. Das entspricht einem Anteil von 4,3 Prozent. „Wir wollen mehr Frauen für die Mitarbeit gewinnen“, sagt Kreisbrandmeister Bernhard Dittrich. Dass der Trend nach oben geht, sehe man an den Jugendfeuerwehren. Da sind von 1026 Mitgliedern 171 Mädchen, das entspricht 16,7 Prozent. In Lichtenwald dominiert der weibliche Nachwuchs mit 63 Prozent. Dittrich hat mit Frauen nur gute Erfahrungen gemacht. Dem Kreisfeuerwehrverband sei es ein Anliegen, sie zum Mitmachen zu bewegen. Immer noch gebe es das Vorurteil, dass die Arbeit bei der Feuerwehr für sie zu schwer sei. „Das trifft nicht zu“, sagt Dittrich mit Blick auf die erfolgreichen Feuerwehrfrauen im Kreis.
Quelle: Elisabeth Maier (EZ-Online)
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