Die Köngener Wehr ist gut aufgestellt
Im vergangenen Jahr musste die Köngener Feuerwehr mit 29 Einsätzen so selten ausrücken wie seit 20 Jahren nicht mehr
Mit durchschnittlich 28 Jahren ist die Köngener Feuerwehr altersgemäß gut aufgestellt. Lob gab es vom Kreisbrandmeister auch für die vorausgegangene Berichterstattung aus den verschiedenen Abteilungen, die eine schlagkräftige Wehr vermittelte.
VON GABY KIEDAISCH
KÖNGEN. Bei 50 aktiven Feuerwehrleuten in der Einsatzabteilung, 14 in der Altersabteilung und 18 bei der Jugendfeuerwehr, ergibt sich aktuell ein Altersdurchschnitt von 28 Jahren in der Wehr, wie Kreisbrandmeister Bernhard Dittrich zufrieden bei der Hauptversammlung am Freitagabend feststellen konnte.
Lediglich beim Frauenanteil von 3,8 Prozent meldete er Bedenken an. Der dürfe ruhig höher werden. Vielleicht schafft da ja schon bald das neue Feuerwehrgesetz Abhilfe, wenn man künftig mit 17 Jahren anstatt mit 18 Jahren in die Einsatzabteilungen wechseln darf. Bis wann der digitale Funk den analogen ablöst, sei zwar immer noch unklar, aber zumindest werde in diesem Jahr die Leitstelle umgerüstet. Dittrich rechnet mit einem Übergangszeitraum von drei Jahren. Zum Schluss wünschte Bernhard Dittrich der Köngener Feuerwehr wieder ein unfallfreies Jahr wie in 2009. Dem vorausgegangen war eine zügige Sitzung, denn mit 29 Einsätzen im vergangenen Jahr, davon elf Brände, lag die Einsatzquote so niedrig wie seit „mindestens 20 Jahren nicht mehr", stellte Feuerwehrkommandant Herbert Wanke zufrieden fest. Vergleicht man die Jahre zuvor, dann wurde die Köngener Feuerwehr allein in 2008 zu 73 Einsätzen gerufen und ein Jahr vorher zu 47. Als die Monate mit den meisten Einsätzen stellten sich der August und der September heraus, obwohl da Urlaubszeit sei – oder gerade deshalb? Insgesamt war die Wehr 433 Stunden im Einsatz, noch nicht eingerechnet sind da die 1709 Stunden für Übungen und Ausbildung. Besonders tragisch entpuppte sich im letzten Jahr ein Verkehrsunfall mit einem Toten auf der B 313, der an einem Herzinfarkt starb. Aber auch der Amoklauf im März im Wendlinger Wert versetzte die Köngener Wehr in Alarmbereitschaft. Hoher Sachschaden verursachte ein Ofenbrand in einer Firma, bei dem sogar die Drehleiter aus Nürtingen eingesetzt werden musste. Verglichen dazu stellt sich die jährliche Brandwache beim Abenteuerspielplatz als das reinste Vergnügen dar. Unverhofft, kommt – selten: wohl einmalig in der jüngeren deutsch-deutschen Geschichte scheint das Schicksal eines Feuerwehrfahrzeugs, das kurz nach der Wiedervereinigung, von der Köngener Wehr ins befreundete Taucha nach Sachsen gegeben wurde, um dort die noch schlecht ausgerüstete Freiwillige Feuerwehr zu unterstützen. Bis 2002 tat das ehemalige Köngener Löschfahrzeug (LF 8) dort zuverlässig seinen Dienst, danach erfreute sich die Jugendfeuerwehr an dem heute gut und gerne 45 Jahre alten Vehikel. Noch in diesem Frühjahr kommt der Oldtimer wieder nach Hause zur Köngener Wehr, wo er für Feste weiter genutzt werden soll, konnte den überraschten Kameraden Herbert Wanke freudig mitteilen. Fast wie neu ist nun wieder das Feuerwehrmagazin und das Feuerwehrhaus. Dank des Konjunkturpakets erhielt es eine Gebäudedämmung mit neuen Fenstern und einem neuen Anstrich.
Weiblicher Nachwuchs macht sich noch rar
Durchschnittlich 13,5 Jahre jung ist die Jugendfeuerwehr, seit 2009 allerdings erstmals wieder ohne weiblichen Nachwuchs. Dabei stehen Freizeitaktivitäten in dieser Abteilung hoch im Kurs, zusätzlich wurden 2009 insgesamt 22 Übungsdienste geleistet, eine gemeinsame Übung mit den Jugendfeuerwehren von Oberboihingen und Reudern sowie die Teilnahme am Jugendrettungstag, wusste für den verhinderten Jugendleiter Benjamin Luik sein Stellvertreter Philip Hilss zu berichten. Etwas gemütlicher lässt es die Altersabteilung angehen. Von ihren monatlichen Treffen und ihrem jährlichen Ausflug, berichtete Abteilungsleiter Hans Zimmermann. Während die aktive Wehr 2009 Gott sei Dank nur wenige Einsätze zu verzeichnen hatte, hatten die First Responder so viel wie noch nie zu tun. Oliver Röcker zählte 260 Einsätze, insgesamt 1103 Einsätze seit der Geburtsstunde der Ersthelfer im Jahr 2004. Auffallend sei, so Röcker, dass mit Beginn der Freiluftsaison auch die Einsätze nach oben gingen, genauso in der Weihnachtszeit. Da gebe es bis zu elf Einsätze pro Woche. Die meisten Einsätze seien mit 58 Prozent Herz-Kreislauf-Krankheiten, gefolgt von Unfällen mit 21 Prozent, die chirurgisch behandelt werden mussten. Auf den neuesten Stand brachte die Versammlung Kassier Thomas Kuttler mit seinem ausführlichen Kassenbericht. Jochen Saur und Timo Würth bestätigten als Kassenprüfer, dass sie sich von der rechtmäßigen Kassenführung überzeugt hatten. Einstimmig folgte die Entlastung. Fehlen noch die Neuaufnahmen in die Wehr: Mit Thomas Schnaidt aus Tübingen und Patrik Gölz aus Dettingen erhielt die Köngener Wehr Verstärkung. Und nach erfolgreich absolvierten Lehrgängen wurden folgende Floriansjünger zum/r Oberfeuerwehrmann/-frau befördert: Cosima Bauer, Carola Fingerle, Hannes Flaig, Alexander Holz, Andreas List, René Mangold, Dominik Piechotta, Thomas Roosz, Stefan Ulrich. Zum Löschmeister befördert wurde Tobias Schumacher, zum Oberlöschmeister Marc Englisch und zum Brandmeister Nicolas Mettenleiter. Nachträglich für 50 Jahre ist Kurt Fallscheer gewürdigt worden. Er gehört zu jenen ehemaligen Aktiven, die am längsten der Köngener Wehr treu gedient haben. Kommandant Herbert Wanke und Bürgermeister Hans Weil bedankten sich bei dem Jubilar sehr herzlich mit Urkunde und Geschenken. Anerkennung und Lob zollte Bürgermeister Weil anschließend allen Floriansjüngern der Wehr, die sich durch stete Weiterbildung mit Lehrgängen und Übungen in den Dienst der Köngener Bevölkerung stellen. Das gleiche galt für die First Responder. Nach der Sanierung des Magazins sei die Köngener Feuerwehr für die nächsten Jahre gut aufgestellt, resümierte der Bürgermeister, gerade rechtzeitig, da die Gemeinde in Zukunft immer häufiger den Rotstift ansetzen werden müsse – die düsteren Finanzprognosen zwängen zum kommunalen Sparen.

Kommandant Herbert Wanke, Bürgermeister Hans Weil und Kreisbrandmeister Bernhard Dittrich würdigten Jubilare, Beförderte und Neuaufgenommene. gki
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